Wissenschaftliches

Mekka für Zeithistoriker: Das „mächtige“ Bundesarchiv in Koblenz.

Mit meiner Dissertation über den Linken Protest nach dem Deutschen Herbst schloss ich im Winter 2011 mein Promotionsstudium am Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien in Erfurt ab. Innerhalb von knapp vier Jahren legte ich damit die zweite zeitgeschichtliche Studie zur Auseinandersetzung des linken Spektrums mit dem sozialliberal regierten Staat vor.

Mikro- und Mesoperspektive auf das linke Spektrum in der Bundesrepublik der 1970er Jahre

In meiner Magisterarbeit an der Friedrich-Schiller-Universität Jena hatte ich den Untersuchungsschwerpunkt auf die terroristische Herausforderung durch die Rote Armee Fraktion und die Bewegung 2. Juni gelegt. Mit der Doktorarbeit zog ich den Fokus etwas weiter auf und nahm radikale, anti-parlamentarische und demokratische Linke in den Blick. Wie reflektierten Sie die Ereignisse des Deutschen Herbstes und die Entwicklungen, die zu dieser einmaligen Zuspitzung geführt hatten? Welche Schlüsse zogen Sie daraus – politisch wie persönlich?

Wenn Sie mehr über das Projekt und die Untersuchungsergebnisse erfahren möchten, empfehle ich Ihnen den Beitrag „Linker Protest nach dem Deutschen Herbst“ innerhalb dieser Rubrik.

Neuer Forschungsschwerpunkt: Sozialdemokratie in den 1980er Jahren

Mit dem Abschied vom Max-Weber-Kolleg veränderte sich die Bedeutung der wissenschaftlichen Arbeit für mich: Sie war fortan nicht mehr Lebensinhalt, sondern eines von mehreren Betätigungsfeldern, eine von mehreren selbst gewählten Herausforderungen. Aus der langjährigen Beschäftigung mit der sozialdemokratischen Ära der 1970er Jahre resultierte das Interesse an einem Themenfeld: die Geschichte der Wirtschafts- und Sozialpolitik der SPD und ihrer schwedischen Schwesterpartei SAP. Welche Motive hinter dem Interesse stecken, werde ich bald in einem Blog-Beitrag schildern.

Am Beginn dieses neuen Forschungsabschnitts habe ich mich mit der Biografie Olof Palmes und Kjell-Olof Feldts befasst, zwei Politiker, die die schwedische Sozialdemokratie jenes Jahrzehnts prägten. Gemeinsam leiteten sie den Wandel von der Reformpolitik zum Krisenmanagement des Wohlfahrtsstaates ein. Im nächsten Schritt möchte ich mich mit der Mentalitätsgeschichte Schwedens in den 1980er Jahren beschäftigen, und zwar unter den Vorzeichen des zeittypischen Individualismus und Desillusionismus. Kam es zu einer Entsolidarisierung und Distanzierung vom egalitären Wohlfahrtsmodell? – Untersuchungsgegenstand sollen bekannte schwedische Romane der 1980er und über die 1980er Jahre sein. Auf meiner Shortlist stehen bislang: Stig Larssons »Nyår«, Per Hagmans »Cigarett«, Lars Gustafssons »En kakelsättares eftermiddag«, Kerstin Ekmans »Knivkastarens kvinna«, Ulf Lundells »Hjärtats ljus«, Torgny Lindgrens »Till sanningens lov« und Sven und Gunilla Fagerbergs »Los Angeles«. Die Untersuchung soll in einen wissenschaftlichen Aufsatz münden.

Entscheidend für die weitere Beschäftigung mit diesem Forschungsschwerpunkt werden die Ergebnisse des Arioso-Projektes (Arbetarrörelsen i Östersjöområdet) sein, die noch nicht komplett veröffentlicht wurden.