Erzählungen & Kurzgeschichten: Der Band „Revolte gegen die Zeit“

Revolte gegen die Zeit. Ein Erzählband. Erschienen bei docupoint Magdeburg 2008. ISBN 978-3-939665-77-9; 160 S.; EUR 12,00.

Kaum etwas entzieht sich so unumstößlich menschlicher Kontrolle wie die Zeit. Nicht von ungefähr kommt es, dass wir sowohl Ängste als auch Hoffnungen mit ihr verknüpfen: Ungewissheit um die Zukunft ebenso wie das Warten auf bessere Zeiten.

11 Kurzerzählungen über unser Verhältnis zur Zeit

Natürlich ist es für Menschen verlockend bequem, sich in die passive Rolle zu fügen – sie ist uns nunmal auf den Leib geschneidert und demzufolge sprichwörtlich: „Kommt Zeit, kommt Rat“, „Alles zu seiner Zeit“, „Die Zeit herrscht über die Dinge“ um nur einige Beispiele zu nennen. Doch auch wenn wir die Geduld verlieren sollten, welche Möglichkeiten bleiben uns dann, um etwas gegen Vergänglichkeit zu unternehmen? – Nicht viele. Wir können die Gegenwart festhalten, unsere Erinnerungen auffrischen oder auch Neuanfänge wagen. Aber jede dieser Anstrengungen braucht vor allem eines: Zeit.


In meinem Erzählband »Revolte gegen die Zeit« habe ich elf Kurzgeschichten über unsere Schwierigkeiten mit dem Vergehen, Vergessen und Versäumen zusammengetragen. Entstanden ist ein zielstrebiger Erzählband, aber keine Einwegpoesie. Alle Texte haben ihren eigenen Charakter. Es wimmelt von doppelten Böden, inneren Echos, unangenehmen Fragen. Und en passant darf sich der Leser auf einen Streifzug durch die deutsche Zeitgeschichte begeben.

Der Band im Überblick: Brüder · Die Montage leben · Festhalten, was übrig blieb · 2 Stunden Aufenthalt · Das Auto aus München · Sommernachtgedanken · Pein · Für Melusine · Den Trennungsstrich ziehen, im Kopf · Zwischenraum · Die unerträgliche Erträglichkeit der Vergangenheit.

Konzept & Hintergründe des Erzählbands

Was könnte aussichtsloser sein, als der Versuch, die Zeit anzuhalten oder gar zurückzudrehen? Erinnerungen trösten uns über diese Tatsache hinweg. Ebenso wie uns Utopien über die Aussichtslosigkeit auf eine gerechtere Welt hinweg trösten. Das Aufbäumen gegen die Widerstände der Wirklichkeit findet in beiden Fällen im Innern des Menschen statt: in seinem Kopf, in seinen Gedanken, in seiner Fantasie – ziemlich genau dort, wo auch Film, Fotografie, Musik und Literatur erst ihre Wirkungen entfalten.


»Revolte gegen die Zeit« ist eine Sammlung zeit- und damit gesellschaftskritischer Kurzgeschichten. In vielfältigen Erzählsituationen, z.B. als Filmzuschauer, Blogleser oder Hörer einer Tonbandaufnahme, berichten die fiktiven Verfasser der elf Texte von Widersprüchen, die sich aus Vergangenheit und Gegenwart ihrer oder der von ihnen wahrgenommenen Lebenswege ergeben. Vor dem Hintergrund persönlicher wie gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen werden unbequeme Wahrheiten aufgedeckt, zu deren weiteren Verdrängung Erzähler wie Betroffene nicht mehr fähig sind.

Ihre „Revolte gegen die Zeit“ richtet sich zu unterschiedlichen Teilen gegen Vergangenes, gegen die Vergänglichkeit, gegen das Jetzt. Einige bäumen sich auf und geben ihrem Leben eine Wende, wie die Ex-Terroristin in „Die Montage leben“, andere scheitern bei dem Versuch und arrangieren sich, wie der ehemalige Stasi-Schnüffler B. in „Festhalten, was übrig blieb“.

Verschlüsseltes & Unverschlüsseltes

Den an sich eher privaten Begebenheiten wird durch zahlreiche Verweise auf zeitgeschichtliche Ereignisse oder Personen eine allgemeingültigere Botschaft verliehen. So spielt nicht nur der Mauerfall eine wichtige Nebenrolle als (noch) aktuelles Symbol für Veränderungswillen, auch Schauplätze wie der Bahnhof von Bad Kleinen in „2 Stunden Aufenthalt“ oder der Hamburger Axel-Springer-Platz in „Pein“ sprechen für sich. Dem Leser wird vermittelt, wie abhängig die Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit von einer geschärften Wahrnehmung ist und wie verstellt der Blick auf Vergangenes sein kann.

Einige Figuren haben deshalb den Kampf gegen das Vergessen aufgenommen. Sie hinterfragen ihren Erinnerungen, unterziehen sich einer „Rückschau“ wie A. in „Brüder“, weil sie begriffen haben, dass gerade in der Erträglichkeit von Erinnerungen die Gefahr liegt, Vergangenheit und Geschichte zu verfälschen – aus denen sie, wie das menschliche Individuum generell, ihre Identität schöpfen.

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